Bahnreisen ins ewige Eis


Von der Planung einer zweiten Bahn auf den Aletschgletscher.

Wallis 2017Noch während der Bauzeit der Jungfraubahn im schweizer Berner Oberland wollten auch die Walliser den aufkommenden Tourismus nutzen und vom Süden her eine Bahn auf den Aletschgletscher bauen.

Die Bahn in die Region des Matterhorns, heute bekannt als Gornergratbahn, auf der Südseite des Wallis war realisiert und nun dachten unterschiedliche Gruppierungen daran, Pläne zu realisieren um Nordseite des Wallis – also den Bereich des Aletschgletschers – bahntechnisch zu erschliessen. Was für ein Vorhaben!

Im Walliser World Nature Forum erinnert ein Belle Epoque Salon-Wagen der Jungfraubahn an das visionäre und wohl einmalige nicht realisierte Projektvorhaben aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts.

Erschliessung der Berge mit Bahnen

Jungfraubahn

2013-10-interlaken 74

Die Jungfraubahn vor der Jungfrau

Die Belle Epoque war eine bewegte Zeit in der viele bemerkenswerte Projekte angedacht, ausgedacht, realisiert oder auch nach Ausbruch des ersten Weltkriegs wieder verworfen wurden.

1894 stellte Adolph Guyer-Zeller den Konzessionsantrag beim Bundesrat, eine Bergbahn im Berner Oberland, hoch zum Berg Jungfrau zu bauen. Bis zur „Kleinen Scheidegg“ sollte sie oberirdisch, anschliessend durch einen Tunnel im Berg geführt werden. Der Bau wurde 1896 begonnen und seit 1912 fährt die Bahn Touristen, heute sogar aus aller Welt bis auf das Jungfraujoch. Zudem wird die Bahn – nicht zuletzt auch aufgrund der ausgeklügelten und wirkungsvollen Vermarktung – äusserst wirtschaftlich.

Gornergratbahn

Gornergratbahn und MatterhornAuch im Wallis dachte man sich neue Attraktionen aus: 1892 wurde die Konzession für die Gornergratbahn mit dem tollen Blick auf das Matterhorn erteilt, die Bauarbeiten begannen 1896 und die offizielle Eröffnung der GGB Gornergrat-Bahn erfolgte nach vergleichsweise kurzer Bauzeit am 20. August 1898.

Auf den Aletschgletscher

Die Walliser kamen noch in der Bauphase der Jungfraubahn auf die Idee, den Aletschgletscher und das Jungfraujoch von Süden aus zu erschliessen. Die Gornergratbahn war schon realisiert, es gab also erste Erfahrungen im Bau derartiger Strecken in der Schweiz … Die geplante Strecke sollte in Brig starten, was seit 1878 über einen Bahnanschluß verfügte, und über Naters nach Zenbächen (oder auch Ze Bächu, nähe Märjelensee – also quer über den Gletscher!) führen. Mit einer Schlittenbahn (!) sollten die Reisenden in 3 Etappen die abenteuerliche Reise fortsetzen. In der Fotostrecke findet sich eine Karte der einmaligen Idee der Reise über den Aletschgletscher.

Die Reise über den Aletsch wurde aber nicht bewilligt und der Erste Weltkrieg bedeutete das Aus für die wohl einmalige Vision.

Dennoch wäre die Reise in einer Bergbahn von Brig über Naters und Blatten hoch zum Hotel Belalp mit Blick auf den Aletsch aus heutiger Sicht ein nicht nur ideller Gewinn. Doch mittlerweile wurden mehrere Seilbahnen für den Ausblick auf den Aletschgletscher gebaut, die reichlich genutzt werden. Die Technik der Seilbahn führt schneller und technisch einfacher zum gewünschten Ausblickspunkt. Und so führt heute ein Wanderweg von den per Seilbahn erschlossenen Belalp zur ebenfalls per Seilbahn erreichbaren Riederalp. Wanderer können das dazwischen liegende Tal des Aletschgletschers mittels einer Hängebrücke durchqueren. Das gibt der Wanderung den gewünschten modernen «Kick» und eine tolle Aussicht.

Heute erinnert der Salonwagen der Jungfraubahn im World Nature Forum in Brig (Wallis, Schweiz) an das gewagte aber nie realisierte Projekt.

Quellen

Bilder (6): Klaus Theißing
Die vier Bilder aus dem World Nature Forum entstanden mit freundlicher Genehmigung des Hauses.

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Ein Gedanke zu „Bahnreisen ins ewige Eis

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