Bilanz: 100 Tage Gotthard-Basistunnel


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Bundesrätin Leuthard und Andreas Meyer, CEO der SBB, informieren sich während der Expo Mailand über den Gotthard-Basistunnel

Die Bilanz scheint nur auf den ersten Blick fantastisch: Mit dem 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel (GBT) haben die SBB nicht nur den längsten Eisenbahntunnel der Welt in Betrieb genommen, sondern haben auch ein komplexes Gesamtsystem in das bestehende Schienennetz integriert. Doch der Ansturm der Passagiere führt zu Sorgen.

Der Bahnbetrieb verläuft sicher, zuverlässig und weitgehend pünktlich lautet das Fazit der SBB. In einigen Fällen gab es Verbesserungspotential. Das gilt vor allem für die Verbindungen aus Italien. Von den insgesamt 17.730 Zügen, die seit Inbetriebnahme bis Ende April auf der Gotthardachse verkehrten, fuhren 99 Prozent regulär durch den GBT. Im Güterverkehr können die vorgegebenen Durchfahrtszeiten eingehalten, teilweise sogar unterschritten werden. An Werktagen verkehren bis zu 120 Güterzüge durch den GBT.

Doch nach Medienmeldungen bereitet der große Andrang der Passagiere Probleme. Zwar steuerte die SBB über die Ostertage mit 48.000 (!) zusätzlichen Sitzplätzen in Sonderzügen gegen, doch bleibt die Überfüllung der Züge gerade zu Stoßzeiten eine Herausforderung: «Wir haben das Problem unterschätzt und ziehen unsere Konsequenzen», versprach Toni Häne, Leiter SBB Personenverkehr. Es gelte die Regelung, dass ein Zug den Basistunnel nicht durchfahren dürfe, wenn er über 140 Prozent gefüllt sei. Dies entspricht rund 30 Stehplätzen pro Waggon. Die SBB empfehlen daher, für die Reise ins Tessin Sitzplätze zu reservieren. Zu Platzproblemen kommt es vor allem am Morgen, wenn die meisten Reisenden aus der Deutschschweiz ins Tessin fahren wollen.

Mit täglich rund 9.600 Fahrgästen ist die Nachfrage im Personenverkehr rund 30 Prozent höher als im selben Zeitraum des Vorjahres. Die grosse Nachfrage an den Ostertagen wurde mit zusätzlichen Zügen gut bewältigt. Die Pünktlichkeit stieg mit der Inbetriebnahme des GBT von 81,0 auf 87,5 Prozent.

Mit Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels wird die Nord/Süd-Achse Gotthard ab 2020 ihre volle Leistungsfähigkeit erhalten. Die Reisezeiten auf der Gotthardachse verkürzen sich dann um eine weitere halbe Stunde – damit wird der Reisezeitgewinn gegenüber der Panoramastrecke rund eine Stunde betragen. Für die Kunden im Personenverkehr gibt es schon vorher weitere Verbesserungen. National liegt der Fokus auf der Einführung einer frühen Direktverbindung ab Basel – Luzern ins Tessin am Vormittag vor 10 Uhr. Für den Verkehr an Auffahrt und Pfingsten sowie weitere unterjährige Verkehrsspitzen (z.B: Sonntagabend vom Tessin in die Deutschschweiz) werden mehr Züge eingesetzt. Auch das Angebot über die Panoramastrecke – der Reise über den Gotthard – wird erweitert: Neu werden ab dem Fahrplan 2018 zwei Zugspaare ganzjährig an den Wochenenden nach Göschenen geführt. Auch im internationalen Verkehr soll das Angebot ausgebaut werden. Im Fokus stehen dabei häufigere Verbindungen nach Italien und zusätzliche Destinationen über Milano hinaus.

Quelle: SBB und NZZ: 100 Tage Basistunnel – Die Freude am Gotthard ist getrübt

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