Schienenkreuzfahrt: Kurs Süd!


Beim Blick in den Postkasten staunte ich nicht schlecht: In der Weihnachtspost war ein Brieflein mit dem Absender „Deine Berliner Stammleser“ adressiert an den „Bahnblogger Theißing aus Münster“. Darin ein „DB Geschenk Ticket“ 1. Klasse. In dieses Ticket kann ich frei den Start- und Zielort eingeben und man kann sich ohne weitere Reservierung allerdings nicht freitags – auf die Reise machen. Allerdings musste ich am 16. März wieder Zuhause sein. Im Begleitschreiben war der Auftrag klar definiert: „Reise und schreibe: Viel Spaß dabei!“.

Wir überlegten über die Festtage, wo es hingehen sollte. 
„Maximale Ausnutzung: weiteste Strecke!“ war Harry’s Kommentar unter dem Tannenbaum.
„Wo Du schon immer einmal hin wolltest!“ sagte Michael.

Über Hamburg nach Kiel, dann nach Lübeck das Holstentor ansehen und über Flensburg nach Hause, war die erste Idee. Da wollte ich immer schon einmal hin. Es könnte allerdings im Frühjahr noch reichlich frostig sein.

In Freiburg ist es meist etwas milder. „Milder? Hm?“ fragte Michael: „Bodensee!“ rief er urplötzlich aus.

Über das Schwäbische Meer … ja das wäre mal etwas! „Fährt die Fähre von Friedrichshafen nach Romanshorn im Winter?“ Schon surrte der Rechner … „beinah stündlich“ kam prompt die Antwort. Der Plan nahm Form an!

Auf nach Basel

Ende Februar ging es dann los: Nachtbus gegen 6:25 Uhr, ab Münster Hbf mit dem EC 7 ab 7:03 Uhr Richtung Basel Bad Bf. Offensichtlich hat dieser Zug ein starkes „Eigenleben“ und mag öfters mal verspätet einlaufen, weswegen der Anschluss mit einem Übergang von knappen fünf Minuten in Dortmund Hbf oder Köln Hbf nicht erreicht werden kann. Ich war darauf gefasst, den EC bis Basel zu nutzen.

Doch schon in Dortmund stand ein ICE nach Interlaken am Nachbargleis, der mir – Dank Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt – eine Stunde Fahrzeit ersparen würde. Ich raffelte meine 7 Habseligkeiten zusammen und sprang direkt in die 1. Klasse des ICE gegenüber. Schnell wurde umgeplant: Stadtbesichtigung Basel passt doch noch in den Zeitplan. Und ab dafür …!

Ich verschlief den größten Teil der Reise bis Basel oder döste zumindest. Zwischendurch gab es einen leckeren Kaffee … er weckte die Lebensgeister.

In Basel drehte ich eine Runde durch die Innenstadt mit ihren wundervollen Plätzen, verwinkelten Gassen, Hinterhöfen und immer neuen Überraschungen. Das Rathaus ist über und über bemalt. Es lohnt auch der Blick in den bemalten Innenhof …

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Mit einem neuen Ticket ging es weiter nach Zürich: ich bummelte bei bald 20 Grad Celsius (plus!) über die Bahnhofstrasse Richtung See, erfreute mich an den wundervollen Auslagen in den Geschäften, schaute den Spatzen im Park bei der Frühlingsbalz zu. Am See saß ich etwas erhöht auf einer Parkbank und aß dort meinen Reiseproviant an der milden Frühlingsluft. Wie herrlich der Frühling am See war! Durchatmen und Geniessen!

Am späten Nachmittag fuhr ich ins Zürcher Weinland, wo Michael mir Obdach gewährte. Er hatte einen kleinen Lachs organisiert und wir schoben ihn gemeinsam in den Ofen. Zeit für einen Plausch …

Mit der Fähre über das «Schwäbische Meer»

Am frühen Morgen ging es nach einem kräftigendem Frühstück weiter über Schaffhausen nach Romanshorn, südlich des Bodensees. Die Fahrt durch das schöne, wellige Thurgau war unspektakulär, doch man könnte die Reise auch im Sommer mit dem Fahrrad angehen! Der Bahnhof von Romanshorn liegt direkt am Hafen, was die Sache erheblich vereinfacht.

Romanshorn: Bahnhof und Hafen

Romanshorn: Bahnhof und Hafen

Tief hingen die Wolken über dem Bodensee und selbst die Gastronomen hatten «draußen» aufgegeben. Keine Wolldecken lagen über den Stuhllehnen und auch die Speisekarten waren sorgsam verstaut. Es war einfach viel zu kalt für diesen „Frühling“!
Drinnen servierte man mir gerne einen Cappuccino – ich schrieb derweil den Kulinarischen Halt … am Romanshorn.

Endlich kam die Fähre und meine Vorfreude auf das „kleine Abenteuer“ stieg. Nun würde ich den lang gehegten Wunsch des WoEnd-Ausflugs realisieren. Beim Passieren des Zollhauses summte ich die Ouvertüre zur Alpensinfonie.

Die Motoren der Fähre brummten monoton beim Verlassen des Hafens Romanshorn – bald kam Friedrichshafen in Sicht.

Das Zeppelin Museum

Ich nahm das Zeppelin-Museum anfangs erst als Punkt wahr, doch dann wurde es größer und größer und dominierte schliesslich die Hafenzeile. Voller Ehrfurcht durchschritt ich die uralten Türen. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Bauhausstil errichtet und beherbergt seit 1996 das Museum. Wie ein Größenvergleich zeigt, hätte es in den Zeppelin Hindenburg mehrfach hineingepasst.

Ebenso hätten man drei Stück Airbus A380 hintereinander in die Hindenburg hineinparken können, wobei die Flügelspitzen freilich seitlich herausgeragt hätten. Das weltweit größte Zeppelin-Museum verdeutlicht eindrücklich die Dimensionen der Luftschiffe, ermöglicht durch viele Exponate einen Einblick in die Geschichte und zeigt durch begehbare Segmente das „Look & Feel“ der Luftschiffe. Auch für die „kleinen Besucher“ habe ich noch nie so viele schöne Ideen in einem Museum gesehen, damit aus dem Museums-Besuch ein unvergessliches Erlebnis wird.

Siehe auch: Zu Besuch … Zeppelin-Museum in Friedrichshafen.

Nach dem Besuch drehte ich in Friedrichshafen noch eine kleine Runde auf dem kurzen Fußweg zum Stadt-Bahnhof. Das Wetter war nun gräuslich geworden: Sturm und ein eisiger Hagel schlugen mir entgegen. Die Hagelkörner fühlten sich auf der Haut wie Nadelstiche an. Die Wetterprognose hatte leider recht und ich hatte wenig Lust noch einen Tag zu bleiben, denn morgen sollte es noch ärger kommen. In mir stieg Sehnsucht nach dem warmen Kaminofen Zuhause auf! Also keine Nacht verlängern, ich ging den kurzen Weg zum Bahnhof in dessen Halle sich die Reisenden schon drängten.

Es war schliesslich an der Zeit: Abfahrt um 17:31 Uhr ab Friedrichshafen Stadt-Bahnhof, Umstieg in Ulm und von dort mit dem ICE nach Münster reisen.

Auf «der Steige» lagen 5 cm Neuschnee. Ich blätterte durch die angefertigten Bilder im warmen Zug, freute mich auf ein Bier, eine «Mütze Schlaf» und den warmen Kaminofen Zuhause …

Siehe auch

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