Der nette neue Mann von der Post


ICE3 InnenraumWir kamen aus dem Urlaub und staunten nicht schlecht über die Verspätungen am Nürnberger Hbf. Mit 45 minütiger Verspätung sollte unser Weg uns über Hannover nach Münster führen, was zwar nicht der direkte Weg, aber am Spätnachmittag ein schneller Weg sein sollte. Am Servicepoint wollte ich mal nachhören, ob man – trotz Zugbindung – nicht anders, also schneller ans Ziel kommen könne.

Die Schlange am Service-Point war unendlich lang und endlich war ich «dran»: ein Hinweisschild wies auf die Azubis am Counter hin … sie bestanden heute wohl ihre Feuerprobe. Ich reichte mein Home-Made-Ticket über den Tresen. Der junge Mann am Counter las, tippte flink, stempelte noch schneller und drückte mir einen Ausdruck einer neuen Fahrt in die Hand: „Gleis 9 in zehn Minuten! Gute Reise!“. Ich dankte artig.

„Es erhält Einfahrt der verspätete ICE aus München …“ Wir sprangen in den neuen  Zug und fanden tatsächlich in den reichlich vollen Wagen noch zwei Sitzplätze.

Ich landete neben einem Herrn mittleren Alters, der sofort ein Gespräch begann. Er müsse gleich nochmals raus … „Käffken im «Salonwagen» holen …!“. Gerne doch!

Als er gerade weg war, kam der nächste Fahrgast und fragte nach dem scheinbar freien Platz, den ich gerne „verteidigte“. Dann noch ein Reisender  „… nein, der Platz ist leider besetzt!“
„Von wem denn?“ fragte der Reisende keck. „Von dem Herrn, der gerade im Bistro seinen Kaffee holt“.
„Ah, ok – danke!“

Der Kaffee kam zurück. Ich scherzte, ich hätte seinen Platz schon zweimal «verkaufen» können und zeigte auf seiner Papier-Umhängetasche voller Unterlagen: „Ihre Hausaufgaben habe ich auch gemacht!“

Wir scherzten weiter und er erläuterte, er käme gerade von einer Schulung der Post. Er sei so Happy, denn nach Berufsunfähigkeit im gelernten Beruf wäre er nun nach längerer Arbeitslosigkeit in einem Kiosk angefangen. Er erzählte von über 200 Bewerbungen, Rückschlägen, über einem Jahr der Niedergeschlagenheit und dann endlich seinem persönlichen „Hauptgewinn“!

Diese Woche sei die Post-Schulung gewesen und nächste Woche die Lotto-Schulung in Münster. Einige weitere Schulungen erinnere ich nicht. Man hetzte ihn aber wohl einen Monat von Stadt zu Stadt. Es sei ungewohnt, so viel zu reisen und dann den ganzen Tag zuhören zu müssen und wieder zu lernen. Aber er sei so froh, wieder einen Job zu haben!

Wir nahmen den Gesprächsfaden immer wieder auf und sprachen bis Köln Hbf. Es war ein sehr angenehmes und interessantes Gespräch und ich hörte viel aus einer ganz anderen Welt.

Aufgrund des Brands im Stellwerk Mühlheim weitete sich unsere Verspätung auf über eine Stunde aus. Ich musste schliesslich in Gelsenkirchen Hbf umsteigen und hatte die Möglichkeit einen Kulinarischen Halt … in Gelsenkirchen einzulegen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s