Kulinarischer Halt … in Hanau


Mannheim HbfVor bald 20 Jahren waren wir alle jung, der „Neue Markt“ erblühte, Startups sprossen an allen Ecken aus dem Boden, Aktien schossen in der Folge durch die Decke. Unsere kleine studentische Lerngemeinschaft verteilte sich arbeitend über Europa … So hatte hatte man sich leider aus den Augen verloren.

Mein alter Freund Harry hatte angerufen, Michael hätte in sein neues Haus, an dem er wohl noch einige Jahre «herumrenovieren» würde, eingeladen. Harry fragte mir in einer schwierigen Sache ein Loch in den Bauch. Kein gerade angenehmes Thema für ein Gespräch für eine Housewarming-Party bei Freunden! Kurzum legten wir am Telefon die Reisepläne übereinander und verabredeten uns in Frankfurt Hbf um dort zu reden und dann gemeinsam ins Frankfurter Umland nach Seligenstadt zu reisen.

Wir aßen im Hauptbahnhof zu Mittag und nach all‘ den Jahren kann ich nur sagen, es war ein schlechtes Schnitzel, ein ganz schlechtes Schnitzel, was man dort anbot. Wir spülten das „faserige Etwas“ mit einem großen Bier herunter.

Schliesslich war es an der Zeit und wir machten uns auf Richtung Hanau. Dort hatten wir 40 Minuten Aufenthalt. 40 Minuten! Was soll man an einem sonnigen, warmen Frühlings-Samstagnachmittag 40 Minuten in Hanau nur machen?

Zwischen den Bahnsteigen gab es einige Barracken, in denen sich damals die «Bahnsteigstub‘» befand. Eigentlich kein wirklich einladender Ort, doch luden einige Holzbänke ein, die Frühlingssonne zu geniessen. Wir bestellten ein Weissbier. Freundlich fragte der junge Inhaber „Hefe, Kristall, Dunkel …“ weiss Gott, was er noch alles anbot. Ich war überrascht, welch‘ großes Bier-Angebot er in seiner kleinen Karawanserei anzubieten hatte! Das Bier kam prompt, und allerbestens wohltemperiert, wir hatten die Rechnung gleich dazu bestellt – wieder fertig zum Abflug! Das frische, kalte Kristallweizen war einfach ein toller Genuss an diesem schönen warmen Sonnen-Nachmittag!

Nach einer Weile – wir hatten derweil weiter „unsere Themen“ diskutiert – erschien der Wirt und bot uns das weitere Angebot seiner Stube feil: „Rindswürstle, schääähh im Äppelwoi gegart“. Mich schauderte. Wie kann man nur Rindswürstchen im Apfelwein garen. „Oder darf‘s oi Äppelwoi sein, natur oder gespritzt?“. Nein, wir hatten ja gerade gegessen, und Apfelwein „Ach neee, lass mal lieber!“ Einige Jahre später war ich übrigens nochmals dort und probierte „aus rein wissenschaftlichem Interesse“ die Rindswurst. Ich wurde ein Fan dieser und anderer hessischen Spezialitäten.

Die Minuten gingen dahin und wir plauderten munter bei unserem Bier. Schliesslich war es an der Zeit, auf zur nächsten Etappe: Auf nach Seligenstadt! Wir rumpelten über die nicht enden wollende eingleisige Strecke, liessen ein riesiges Kohlekraftwerk links liegen und kamen schliesslich „am Ende der Welt“ – wie wir es nannten – an. Tatsächlich holte Michael uns die letzten Kilometer mit seinem seit vielen Jahren bekannten „Old-School-Opel“ ab. Was für eine Freude die beiden – den Herrn und sein heiss geliebtes korallenfarbenes Auto – wieder zu sehen!

Die Bahnsteigstub‘ gibt es leider schon länger nicht mehr, doch gerne denke ich an den „Zwischenstopp in Hanau“ und die angebotenen „Rindswürstsche im Äppelwoi-Sud“.

Übrigens: Michael zimmert und baut immer noch an seinem Haus herum, der „Old School Opel“ lebt noch, hat mittlerweile ein „H-Kennzeichen“ bekommen, derweil Michaels Töchter langsam junge Damen werden. Harry lebt noch in Berlin und wir sehen uns nächste Weihnachten wieder. Das wird wieder ein Fest!

Fazit

Qualität: (Service und Trinktemperatur)
Eine Lok Eine Lok Eine Lok
Preise
Eine Lok Lok leer Lok leer

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2 Gedanken zu „Kulinarischer Halt … in Hanau

  1. Wie lang ist dieser Besuch denn her?
    Im ersten Absatz klingt er aktuell und das bleibt auch so bis zum vorletzten.
    Aber im letzten klingst als seien seitdem mindestens ein halbes Dutzend Jahre vergangen.

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