Und es begab sich zu jener Zeit …


Aber es geschah in jenen Tagen, dass eine Verordnung von Kaiser Augustus ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. […] Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein Jeder in «seine» Stadt.

Es ging aber auch Joseph von Galiläa aus der Stadt Nazareth hinauf nach Judäa in Davids Stadt, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und dem Geschlecht Davids war, um sich einschreiben zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war. (Lk. 2 1-5)

Noch heute ziehen die «Erfahrenen» unter den Menschen zu einer bestimmten Zeit hin in die Stadt ihres Geschlechts, also ihrer Familie, wie wir das heute nennen. Die Zuhause gebliebenen, also die Sitzenden oder «Besitzenden» bereiten Haus und Hof vor, putzen, kochen und schmücken die Räumlichkeiten voller Vorfreude auf «das Fest».

Joseph von Galiläa war eine solche Vorfreude bekanntlich nicht beschieden: Von den Wirtsleuten abgewiesen, fanden er und Maria in einem Viehstall Unterkunft. Genau dort wähnt sich so mancher Fahrgast der europäischen Bahnen angesichts der räumlichen Enge in den Zügen vor Weihnachten. Ein Jeder – beseelt von Vorfreude auf das Fest – eilt in der Republik von links nach rechts – mancher auch beseelt vom himmlischen Glühwein. Glücklich, wer einen Sitzplatz erhält und eine verspätungs- und überraschungsfreie Fahrt erlebt. Höhepunkt der Reisetätigkeiten ist alljährlich der 23. Dezember und so mancher Bahnmitarbeiter schlägt nach „dem schlimmsten Tag des Jahres“  nicht nur sprichwörtlich drei Kreuze.

ICE 3 in Münster HBfAufgrund beruflicher Umstände reiste ich allein am 23. Dezember über Köln Richtung Süddeutschland und aufgrund der Unplanbarkeit des Geschäftstermins auch ohne Reservierung. In Köln schaffte ich es in das erste Abteil des ICE 3 und fand – man glaubt es kaum – in dem „Zug mit hoher Auslastung“ – wie es so schön heisst – den besten Platz, also gleich vor der Tür des Lokführers. So konnte ich ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen.

Nach einer Weile wurde die langweilige Reise durch die Frage eines vielleicht 12-jährigen Mädchens auf dem Nebensitz unterbrochen: Sie fragte was mir das Christkind denn aller Voraussicht nach bringen würde. So kamen wir ins Gespräch und ich berichtete von meiner „weiten“ Reise und davon, dass man seit Jahren nicht mehr vorhersehen könne, was das Christkind so „bringen“ würde.

Wir plauderten etwas, die junge Dame war anscheinend schon viel herumgekommen und kam gerade mit ihrer Mutter aus New York. Und schon sprudelte es aus ihr heraus, was man alles besichtigt hätte und was man gesehen und vor allem erlebt hat, was durchaus ein kleiner New-York-Krimi war. Bevor sie sich anschickte ihre Habe zusammen zu packen, empfahl die junge Dame mir das Restaurant in der UNO, oben auf dem Gebäude. Man müsse aber unbedingt vorbestellen, denn die Sicht auf „Big Apple“ sei unglaublich! Der Zug rauschte in den Bahnhof ein. Ich sei aber kein Diplomat, warf ich ein und da könne es gewisse Zugangsbeschränkungen geben. Man könne auch ohne den Diplomaten-Pass dort essen gehen, antwortete sie. Und im vorbeigehen betonte die Mutter, man müsse aber auf die Kleidung acht geben. „In Jeans wird das nix!“Ich bedankte mich artig für den guten Tipp, den ich beherzigen werde, wenn ich das nächste mal in der Gegend bin … „und Grüße an das Christkind!“

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Ein Gedanke zu „Und es begab sich zu jener Zeit …

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