Wer schläft, sündigt nicht …


EC von InnenWeich glitt der EC 6 über die Schienen. Der Soldat schlummerte lang ausgestreckt auf dem Sitz, Techno-Beatz waren leise aus seinen Ohrstöpseln zu hören. Der Gefreite «Kevin» war durch die Uniform mit Rang und Namen klar zu identifizieren. Die Zugbegleiterin hatte sich die Fahrscheine prüfend durch den Waggon vorgearbeitet und stand vor ihm: „Den Fahrschein, bitte!“

Doch «Kevin» schlummerte sanft – es rührte sich nichts. „Die Fahrkarte bitte!“ Nun war Nachdruck in der Stimme wahrzunehmen. Doch es rührte sich immer noch nichts. Hätte sie gewußt, was für eine harte Woche er hinter sich hatte, hätte sie ihn sicher schlummern lassen. Marschieren in unwegsamen Gelände, durch Gräben, Sand, Wasser … und dann Donnerstag noch 40 km Orientierungsmarsch obendrauf! Ja, sicherlich hätte sie ihn schlafen lassen!

Sie schaute sich hilfesuchend und unsicher um. Was tun? Eine Sitzreihe weiter vorne stand ein anderer junger Fahrgast auf. „Sorry, das ist der falsche «Ton» für den jungen Mann!“ Er setzte lauter nach „Achtunggg!“ wobei «g» lange – sehr lange ausklingen lies. „Gefreiter Kevin: Stillgestannnndenn!“ Der Waggon staunte und lächelte. «Kevin» schlief weiter – bum bum bum schallte es nun leise aus seinen Ohrhörern.

Die Schaffnerin fasste sich ein Herz, bückte sich zu «Kevin» herunter, ihre blonden Locken fielen ihr ins Gesicht. Sie rüttelte leicht an seinem linken Knie. Beiden traten vorsichtshalber einen Schritt zurück. «Kevin» öffnete die Augen, rieb sich den Schlaf aus dem Gesicht und nahm staunend die Ohrstöpsel heraus. „Ja …?“ Ihm gegenüber stand das leibhaftige Christkind in blauer DB Uniform mit blonden kleinen Christkindl-Locken und strahlte ihn an. „Ja, bin ich im Himmel …?“ Sie antwortete keck: „Nein, auf dem Weg dorthin! Für den Weg ist aber zu zahlen, die Fahrkarte bitte!“

„Wir befinden uns in der Anfahrt auf Dortmund. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung links.“

„Wir befinden uns in der Anfahrt auf Dortmund. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung links.“

Mit einem breiten Lächeln und großen Augen im runden Gesicht suchte «Kevin» in der linken oberen Tasche seiner Uniformjacke betreten nach dem Papier. Sie knipste ebenso lächelnd mit der Zange: „Gute Reise nach Dortmund“ und setzte zum Gehen an. „Ach“ sagte sie und drehte sich wieder um „– in Dortmund noch Lust auf ein Bier? Ich habe gleich Feierabend!“

Kevin blinzelte verdutzt. Hatte er gerade richtig gehört? Er brauchte eine halbe Sekunde um alles zu verdauen und brachte dann mit einem Lächeln hervor: „Ich bin doch im Himmel! Das mich ein Engel zum Bier einlädt!?“ Und setzte schnell nach „Gerne! – Und ist hier nächsten Freitag wieder ein Schlafplatz frei?“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s