Wie man einen Bahnhof von der Bahn gebaut bekommt


Buldern und der „Tolle Bomberg“

Der Tolle Bomberg war immer für einen Spaß zu haben. Die Romanfigur bezieht sich auf Gisbert Freiherr von Romberg, der von 1839 bis 1897 bei Dülmen im Münsterland lebte. Der Tolle Bomberg beschwerte sich lange bei der Reichsbahndirektion, den Schaffnern und Stationswärtern, dass es in Buldern in der Nähe seines Anwesens keinen Bahnhof gebe. Hier sei das Münsterland besonders schön und Buldern würde an der Strecke zwischen Münster und Dülmen gelegen, ein Bahnhof wäre praktisch. Er hatte stets einen langen Heimweg von Dülmen aus und es ärgere ihn erst durch Buldern zu fahren und dann zurück zu reisen. In der Folge zog er nun vor Buldern stets die Notbremse, auf das der Zug – ausserplanmässig würde man heute sagen – zum Halten kam. Sodann bezahlte er die 30 Mark Strafe und zog fröhlich pfeifend von Buldern per Pedes gen Heimat: „Ich will doch mal sehen, wer das länger aushält: der Fiskus oder ich!“

In der Handelskammer gab es in der Folge der Eingriffe in den Bahnverkehr mehrere Anfragen und der Münstersche Merkur entrüstete sich, konnte man lesen. Doch es half wenig: der Bomberg zog weiter die Notbremse. Die örtlichen Landwirte machten sich die Sache in der Folge mit Bauernschläue zu nutze: Sobald der Zug stand, öffneten sich viele «Coupés» und die Bevölkerung stob heraus. Schulten Vadder soll den Baron sogar gefragt haben: „Treckt Ji morgen ollwier de Brems?“. Als der Salonwagen des Herzogs von Cumberland im Express von Hannover angehängt war, lies der Tolle Bomberg den Zug auf seine ganz eigene Art halten. Im Merkur konnte man lesen, dass Zugführer und Reisemarschall «alsdann in großer Aufregung» waren. Der Herzog – in Erwartung eines Attentats – sah den Baron aussteigen und an einem Telegrafenmasten seine Notdurft verrichten. Sodann stieg jener wieder zu, der Zug rollte wieder an.

Regionalbahn mit Ankündigung: Buldern

Nächster Halt: Buldern!

Der Eisenbahndirektionspräsident war ratlos; der Spott der Journaille traf ihn hart, seine Karriere schien zu Ende. Die Staatsräson verlor mit jedem unplanmässigen Halt an Autorität und das „Gespenst“ der „urplötzlich stillstehenden Züge“ ging durch Eingaben, Gutachten und Protokolle auf allen Instanzen. Schliesslich war „der Amtsschimmel müde und legte sich nieder“, die Bahnverwaltung backte kleine Brötchen und baute in Buldern eine kleine Station. Zum Dank wurde der erste planmässig haltende Zug mit einem großen Volksfest und Blasmusik empfangen. Die gesamte Strecke war an diesem Tag de facto gesperrt.

Was blieb …

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Denkmal: Der Tolle Bomerg

In unserer Zeit errichtete die Bevölkerung dem „Tollen Bomberg“ zum Dank ein Denkmal in der Stadt. Die Bahnhofskneipe heißt natürlich – Sie ahnen es schon: Toller Bomberg! Selbstverständlich halten die Züge noch immer in Buldern. Planmäßig!

Stellwerk

Stellwerk im Stil der 50er Jahre

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die Deutsche Bahn neben dem Diensthaus des Stationsvorstehers und einer kleinen urigen Lagerhalle (von 1878) dort ein Stellwerk. Das Ensemble war leider total heruntergekommen und wurde unlängst vom Verein Eisenbahnfreunde Bahnhof Buldern übernommen, der es wundervoll und in viel Eigenleistung wieder hergerichtet hat. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Zitate

Zitate aus: „Der tolle Bomberg“ von Josef Winckler, 1924

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Ein Gedanke zu „Wie man einen Bahnhof von der Bahn gebaut bekommt

  1. Pingback: Es hält kein Zug in Albachten | MyBahn

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