Mit dem «Pride of Africa» durch das südliche Afrika


Outeniqua Mountains

Outeniqua Mountains

Zweimal im Jahr fährt der der «Pride of Africa» von Kapstadt in Südafrika nach Tansania – oder eben anders herum. Seine 6.000 km lange Reise führt binnen zwei Wochen durch die Länder Südafrika, Botswana, Simbabwe, Sambia und Tansania. Die Teilnehmer erhalten dabei eine sehr große Portion „Afrika, Afrika!“ aller Nuancen. Als enthusiastischer Bahnfreund betreibt Rohan Vos diesen Zug und bereitet den Reisenden damit ein einmaliges Reiseerlebnis.

Während der dreiwöchigen Tour wird meist abends im Zug getafelt, wobei hierbei selbstverständlich auf gediegene Kleidung zu achten ist. Die meisten Reisenden scheinen Gefolgsleute ihrer königlichen Majestät zu sein und zudem weit über 60 Jahre alt, was dem Ausflug ein bald koloniales Gepräge gibt. Dennoch wissen sie trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihres Alters lautstark zu feiern und „vernichten“ mit 70 Reisenden durchaus einmal 200 Flaschen guten mitreisenden Weines. Geschichte und Geschichten aus alten Zeiten werden vorgetragen und eigentlich scheint es in der «ach so guten alten Zeit» bei so manchem Mitreisenden die halbe Familie nach Afrika, Indien oder andere Kolonien verschlagen zu haben. Für absolut spannende Unterhaltung mit Geschichte und Geschichtchen ist also gesorgt.

Station Blesbok

Halt im Bahnhof Blesbok

Auch einige Ausflüge standen auf dem Programm: in Tansania machten wir im Selous Reservat eine Fotosafari. Bahnchef Vos hatte einige offene Minibusse organisiert: Eins, zwei, drauf und ab dafür! Lohn der stundenlangen Holperei über Pisten und auch Off-Road waren traumhafte Bilder von Gnus, Zebras, Giraffen, Löwen und anderem wilden afrikanischen Getier. Wer einmal den Film „Hatari, Hatari!“ mit John Wayne gesehen hat, weiss was ich meine!

Viktoria Fälle und Livingstone Strasse

Brücke auf dem Livingstone Way an den Viktoria Fällen

In Simbabwe bezogen wir das Victoria Falls Hotel in unmittelbarer Nähe der Viktoriafälle. In dem zweistöckigen Bau aus viktorianischer Zeit residierten auch schon Herkule Poirot, James Joyce und Ernest Hemingway, der sowieso überall war, wo es spannend ist. In diesem Hotel mit Charme stimmte wirklich alles: das Dekor war umwerfend und das umsichtige, aufmerksame und zuvorkommende Personal, das uns mit Tee und Gebäck empfing, war ein Highlight der Reise. In den großen und besonders hohen Sälen wäre man nicht verblüfft, wenn Kathrin Hepburn als sittenstrenge und altjüngferliche Rose Sayer über das Parkett schweben und wie im Film «African Queen» den „armen“ sauertöpfischen Charlie Allnut (Humphrey Bogart) in die Spur schicken würde. Selbstverständlich nicht ohne ihm die Abstinenz zu predigen oder auch für solche eigenhändig zu sorgen.

Im „Bord-Bistro“ ;-))

Im „Bord-Bistro“ ;-))

Nach einem der langen Abende auf rund halber Strecke unserer Reise – und ich hatte mich an jenem Abend wirklich zurückgehalten – versuchte ich mich am anderen Morgen zunächst zu sortieren und dann frühstückstauglich herzurichten. Wir waren in der Nacht gefahren und der Schienenweg ist mit „mehr als holprig“ (gefühlt: Windstärke 7) sehr gut beschrieben. Dementsprechend hatte ich kein Auge zugetan. Von „einmal schnell in den Salonwagen gehen“ war also an diesem Morgen nicht zu denken, hatte ich es doch gerade geschafft in die Shorts zu schlüpfen, das grüne Polo über zu stülpen und unter Aufbietung der bald aller letzten Kräfte die Timbis notdürftig an den Füssen zu befestigen.

So schlurfte ich schweren Schrittes den mittleren Seegang afrikanischer Schienenwege ausgleichend Richtung Salonwagen. An der Tür versuchte ich ein Lächeln aufzusetzen. Die Mannschaft war schon fast komplett und ich ertappte mich bei der Frage, wie die Mitreisenden eigentlich so früh schon wieder hellwach sein konnten als ich neben dem alten knorrigen britischen General seiner reizenden Gattin platziert wurde. Ein leises „moarnin‘!“ war alles, was ich unter großer Mühsal zustande brachte. Der General hatte 40 Jahre in ihrer königlichen Majestät Armee gedient und hatte so einige zotige Schoten aus aller Welt zum Besten gegeben. Er hob nur kurz seine buschigen grauen Augenbrauen und sagte mit fester und überraschend lauter und fester Stimme: „Good Morning!“. Dabei lies er das „g“ so lange ausklingen, wie es das nur ältere Briten zustande bringen. Unvermittelt knallte ich die Hacken zusammen, nahm Haltung an und grüßte ordentlich zurück. Meinen morgendlichen Kaffeekonsum beäugte er seit Tagen schon kritisch, während er Unmengen von Tee in sich goss fragte ich mich, wie er nach so einer Nacht so schnell wieder fit war. War es senile Bettflucht oder ist der Tee das Zaubermittel? Schnell kümmerte er sich um mich und reichte Rührei mit Speck und Toast und brachte mich so schnell wieder auf die Schienen.

Im Speisewagen

Im Speisewagen werden wundervoll dekorierte Köstlichkeiten gereicht

Unser Zug bestand aus 20 wunderbar liebevoll restaurierten und mit goldenen Applikationen versehenen Waggons die aussen natürlich in Britisch Racing Green gestaltet waren. Das Innere der Waggons ist in edlem Holz – hauptsächlich Mahagoni – zum Teil auch aufwändigen Intarsien eingerichtet. Er entspricht damit dem Look des Orient-Express. An den Türen der Waggons gibt es übrigens außen keine Türklinken – wozu auch? Bei einer Reise die mehr als 10.000 Euro (inkl. VP, Getränken, Wäscheservice, Reiseleitung, Ausflügen und inkl. der Flüge) kostet, muss man nicht selber die Tür öffnen: der Luxurytrain macht seinem Namen alle Ehre und hat viele dienstbeflissene Geister an Bord, die einem jeden Wunsch von den Augen ablesen. Bald fühlte man sich wie Meryl Streep als Karen Blixen in Jenseits von Africa, die nur mit dem Finger schnippen musste und sofort von den Hausboys alles gereicht bekam.

Man darf die Augen vor der Realität in Afrika nicht verschliessen: selten dürfte man so eine krasse Armutsgrenze an der Waggonwand erlebt haben. Drinnen ein Leben an dem nichts fehlt und Menschen für die alles möglich scheint, draussen Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf bekommen die fehlenden äusseren Türklinken eine ganz andere Dimension. Wieder gestärkt von einem vorzüglichen englischen Frühstück starteten wir anderntags zur Bootstour oberhalb der Viktoriafälle. Aufgrund der Größe der Reisegruppe und des fortgeschrittenen Alters einiger Teilnehmer dauerte es einige Zeit, bis alle Reisenden ins Boot bugsiert waren. Schon im Bus zu den Fällen hatten die englischen Landsleute eine Geburtstagsständchen für einen der Ihren angestimmt: „For he’s a jolly good fellow“ und so holperten wir über Afrikas Schlaglochpisten Richtung Bootssteg und uns wurde trotz des geringen Tempos nie langweilig. Selbstvergessen schaukelten wir dann im Boot also endlich über den Sambesi.

Einige der Reisenden liessen Ihre Finger oder Hände selbstvergessen über oder sogar durch das Wasser streifen. Der Bootsführer mahnte oft, man möge das bitte lassen „… pleeeease!“, es sei keine gute Idee, man sei schliesslich in Afrika. Die Frau des Generals erwiderte keck: „und wenn ich das nicht lasse, kommt ein Krokodil und beißt mir den Arm ab?“ Alle lachten. In diesem Moment erhob sich seitlich von ihr langsam, ganz langsam der große Kopf eines Flusspferds aus dem Wasser und öffnete sein riesiges Maul. Schlagartig trat betretene Ruhe im Boot ein und jeder hatte seine Hände und Finger bei sich im Boot. Der Guide grinste: „Welcome to Africa!“.

Ich nahm einen Schluck vom Whiskey und realisierte, dass ich in einer Bar sitze. An der Wand bleiben meine Augen wieder und wieder an den Watusi Speeren hängen. Ich war wie in Trance. Plötzlich schlug mir jemand auf die Schulter: „Hallo, wir haben uns ja lange nicht mehr gesehen!“ – ich drehte mich herum und sah meinen alten Freund Werner vor mir stehen. „Wann durchqueren wir endlich Afrika mit diesem Superzug?“ fragte er mich. Ich realisierte, dass ich über dem Zeitungsbericht „Pride of Africa: mit dem Luxuszug durch Afrika“ in der Watusi Bar im Hafen von Münster schlichtweg ins Träumen gekommen war.

Weiterführende Infos

Dank

  • Mein Dank geht an Brenda Vos von Rovos Rail für die freundliche Genehmigung der Nutzung der Bilder des Unternehmens.
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