Kulinarischer Halt … in Wien


Schild an Hauswand

Wien – immer auf der Höhe der Zeit!

Der Hauptbahnhof in Wien war lange eine einzige große Baustelle. Ich bin stets nach Wien geflogen, fuhr mit der „gewöhnlichen“ S-Bahn (und nicht dem schnelleren und dafür auch erheblich teureren City Airport Train – CAT) zum Westbahnhof. „Unter Tage“ stieg ich in die U-Bahn und fuhr zum Ziel.

Nie habe ich einen Gedanken daran verschwendet, mir die Baustelle wie an anderen Bahnhöfen anzusehen. Warum? Vielleicht hielt mich die „einzige große weiße Plane in Christo-Manier“ davon ab. So habe ich auch nie eine Imbissbude im Wiener Bahnhofsbereich besucht. Und dass, obwohl mir gute Freunde geraten haben, mich beim ZDF Wetten Dass …??? zu bewerben, da ich doch fast jeden Fernbahnhof an der Qualität der Würstel oder Brezel zu erkennen vermag. Nun wurde der Bahnhof nach Jahren endlich fertig.

In der Zeitung las ich, dass es kein Verlust ist, den Bahnhof nicht gesehen zu haben. Er hätte nichts von der klassischen Eleganz eines Dresdner Bahnhofs, nichts vom tollkühnen Entwurf eines Calatrava für Lüttich-Guillemins und gar nichts von bald edel-trubeligen Flair der Zürcher Einkaufsplattform ShopVille unter dem Zürich HB. Er – der Wiener – wäre eben nur da und er wäre ein Bahnhof. Das motiviert nicht gerade zu einem Besuch. Mein Desinteresse hat aber noch einen anderen, gewichtigeren Grund: Würden Sie ein Würstchen am Imbissstand essen gehen, wenn Freunde mit dem allerleckersten Essen aus fernen Ländern auf Sie warten? Nein? Na also!

Die Rettung

Die Würstelbude des Vertrauens

Oldfashioned, unscheinbar aber unschlagbar!

Trotzdem gibt es eine Würstelbude wo man mich versteht, wo es schmeckt, wo man auf kulinarische Exkursion gehen kann: am Hafen! Die Wiener stutzen stets, wenn ich zu meiner kleinen Reise zum Wiener „Hafen“ berichte. Es dauert eine Winzigkeit, dann verstehen sie. Unten an der Donau, am Schwedenplatz, also fussläufig vom Stephansdom, fahren Schiffe Touristen über den großen Fluss. Und genau für jene kulinarische Barbarenbande hat man neue Pavillons aufgestellt, wo man chinesisches Fastfood, Noodles, Pasta und Pizza erstehen kann. Nur eben kein Wiener Würstchen. Zum ganz kleinen Verkaufsstand nebenan im kultigen 50er-Jahre-Look zog mich die große Auswahl an Würstchen auf der großen Tafel sowie die kleine Schlange gemischter Menschen vorm Tresen. Wo Menschen für Essen Schlange stehen, kann es ganz so schlecht nicht sein … Wahre Prachtexemplare von Würsten – die Wiener Würstchen heissen in Wien Frankfurter – erhält man hier. Dazu eine Litanei diverser anderer Wurstspezialitäten aus dem Wasser oder vom Rost. Dazu Senf oder Kren oder, oder, oder. Ich nahm direkt Kren und Senf – probieren geht über studieren!

Oin 16er Blech und a Oitrige!

Nachdem die Schlange der wartenden Wiener Originalkundschaft – man trinkt auch gern Mittag gerne schon einen Heurigen oder ein „Blech“ – abgearbeitet war, kam ich an die Reihe. So stand ich nun neben einem Lodengewandeten mit Hut und einem jungen Herrn in Ballonseide. Dem armen Mann hinter dem Tresen habe ich ein Loch in den Bauch gefragt: die Waldviertler – eine doppelt geräucherte, aussen sanft braune, innen eher dunkle Spezialität wurde gerne mit Kren und einem milden, bald körnigem Senf gereicht. Meine unglaublich geschmacksintensive Bratwurst verzehrend, staunte ich nicht schlecht als mein Nachfolger „Oin 16er Blech und eine Oitrige!“ bestellte. Hörte ich richtig? Eine Eitrige? Der Lodengewandete klärte mich auf:

  • Das 16er Blech ist ein halber Liter Bier im „Blechbüchsengewand“. 16er, da die Ottakringer Brauerei im 16. Bezirk liegt, wurde ich freundlich aufgeklärt. Darauf soll mal einer kommen!
  • Eine Eitrige, ist eine Käsekrainer Bratwurst. So sie warm aufgeschnitten wird, läuft der geschmolzene Käse aus der Wurst. Hört sich nicht gerade gut an, ist aber ein kulinarisches Kleinod! Absolut!

Die Preise in dieser „Bude“ – wobei das Wort Bude viel zu stark untertreibt – sind nicht wirklich hoch. Man kommt schnell mit den Eingeborenen ins Gespräch, und auch wir „Piefkes“ werden hier bedient. Danke!

Fazit: Kulinarische Exkursionen möglich, lecker, gerne wieder!

Qualität: 3 Loks
Preise: 1 Lok

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2 Gedanken zu „Kulinarischer Halt … in Wien

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