Ein Eichhörnchen auf Reisen


Hopsy – Das Eichhörnchen

Hopsy, das Eichhorn; noch etwas «mitgenommen» von der langen Reise!

Anfang Juli quengelte im IC Richtung München ein Kind im KiTa-Alter und nervte die Sitznachbarn. Die Mutter ermahnte das Kind und tippte weiter auf ihrem Smartphone rum. Was soll Kind auch machen, wenn Mutter den Spielzeug-Rucksack vergisst? Da muss ja Langeweile aufkommen! Um derartige Situationen zu beruhigen, führe ich auf Reisen stets Kräuterbonbons mit und bot dem Mädchen ein „Wunderbonbon“ an. Sie stellte sich als Ana-Sophie vor und nahm gerne ein Bonbon an, doch nach einer guten Viertelstunde kam wieder Langeweile auf …

Mit dem älteren Herrn nebenan hatte ich schon einen Plausch gehalten. Er sei unterwegs zu Tochter, Schwiegersohn und Enkeln. Als die Quengelei jenseits des Gangs wieder lauter wurde, kramte er schließlich aus seiner Reisetasche eine Handpuppe in Form eines Eichhorns hervor zwinkerte mir zu und meinte: „Gleich ist Ruhe, wetten dass?“ Er zeigte dem Kind das „Eichhorn“, das sich mit den kleinen Ärmchen die Augen rieb. „Ich heisse Hopsy und Du?“ sprach das Großvater-Eichhorn. „Ana-Sophie“ antwortete sie und bekam große Augen. Bald sprang das Eichhorn vom Klapptisch auf die Kopfstützen, lugte dazwischen hindurch und „sprach“ mit dem Kind. Nach kurzer Zeit meinte Ana-Sophie: „Ich will auch mal!“.

Der ältere Herr übergab das Eichhörnchen. Behänd wieselte es nun über die Sitze, war schon unter ihnen, dann wieder darauf um schließlich quirlig über die Armlehnen zu hüpfen. Das ehemals quengelnde Kind war nun fröhlich und tobte zur Freude aller Mitreisenden auf großer Entdeckungsreise mit dem Eichhörnchenpüppchen durch den Großraumwagen. Der Großvater neben mir legte sich nun lächelnd und entspannt für ein Nickerchen zurück.

Einige Stationen weiter rief die Mutter Ana Sophie und das Drama „Abschied von Hopsy in drei Akten“ nahm seinen Lauf:

Ana-Sophie: „Muss Hopsy denn hier bleiben? Warum deeeeeenn?“

Mutter: „Ja, es reist doch mit dem Herrn drüben.“

Ana-Sophie: „Aber ich will mit Hopsy reisen!“

usw usf

Der Zug fuhr in Stuttgart Hbf ein, die Trennung vom neuen Freund stand nun unmittelbar bevor und Tränen drohten. Doch es half alles nichts: Mutter und Kind stiegen ohne Hopsy aus, nachdem Mutter es dem Herrn neben mir mit „1000 Dank“ zurück gegeben hatte.

Rund eine Woche später erhielten wir von der Mutter eine E-mail. Das kleine Goldstück hatte Hopsy leider nicht vergessen und fragte täglich mindestens fünfmal, wann Hopsy denn zurück käme und ob er im Zug nach Hause auch wieder mitreisen würde. Und „… hat mein Opa auch einen Hopsy?“ sowie „Warum denn nicht?“.

Leider legten sich die Fragen auch Tage nach der Reise nicht und so fand sich die Mutter vier Tage nach der Reise im Spielzeuggeschäft wieder. Der E-mail nach hätte die Kleine sofort nur die wichtigste Frage gestellt: „Haben sie den Hopsy?“ Die Verkäuferin hätten gestutzt, gelächelt und gefragt: „Hopsy, das Eichhörnchen? Klar!“ „Jaaaaaa“ hätte sich Ana-Sophie gefreut und noch nie wäre ein Spielzeug so schnell verkauft worden. Der Urlaub wäre so gerettet geworden. Hopsy ging ab sofort mit zum Essen, bekam das Buffet gezeigt, wurde anderen Kindern vorgestellt und machte allerlei Kunststücke, schrieb uns die Mutter. Sie sei die beste Freundin, immer dabei und bekam die wohl beste Stadtführung aller Zeiten.

Zuhause hätte Hopsy schnell die Herzen aller Kinder der Straße gewonnen und wäre als täglicher Begleiter vom Aufwachen über die KiTa bis zum Spielen mit den Nachbarskindern stets beschäftigt gewesen. Hopsy hätte zwischenzeitlich den Urlaub und danach auch die Welt gerettet – mehrmals!

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