Der Auftrag


Steine bergen aus dem Gletscherbach – eine wahre

Steine bergen aus dem Gletscherbach – eine wahre „cold water challenge“!

Im letzten Telefonat vor dem Urlaub mahnte Veronica „… und denk‘ bitte an «meinen» Stein!“ Schon bei der letzten Party hatte sie ihre Wünsche für den Natursteingarten klar formuliert: Groß sollte er sein und rund geschliffen durch viele Jahre im gurgelnden Gletscherbach. Fein gemustert, vielleicht gestreift oder gar mit mäandernden Schichten. Vielleicht könnte er auch etwas Bling Bling, also glitzernde Einschlüsse, haben. Und so sendete sie zu Beginn des Sommers alle Freundinnen und Freunde in alle Herren Länder aus, ihren Garten mit steinernen Mitbringseln zu bestücken. Schon lange wollte ich über den Gotthard-Pass mit der Bahn reisen, ist doch gerade der Gotthard-Basistunnel (NEAT – Neue Eidgenössische Alpentransversale) in Bau, der Dezember ‘16 in Betrieb gehen soll. Also schnell los, bevor es zu spät ist.

Über den Gotthardpass

Granit

Granite mit mäandernden Einschlüssen

Die Aufgabe war nicht einfach zu lösen, obwohl es schon am Gotthard Steine zuhauf gab. Schon an der Reuss vor dem Gotthardpass hielt ich Ausschau. Aber transportabel sollten die Steine schon sein. Die größten Exemplare waren sogar aus dem Zug einfach zu erkennen und hatten die Größe des Einfamilienhauses von Veronica. Nun reise ich selten mit einem Gabelstapler im Zug, was die zu beschaffende Steingröße schon erheblich einschränkt. Aber wo es einen großen Stein gibt, sind meist auch mehrere kleine. Ich hatte in Basel Station gemacht, da die Reise über den Gotthard von Basel nach Brig (Wallis) rund fünfeinhalb Stunden dauert. Ich hatte wenig Lust diese Tour abends „mal schnell abzufahren“, dann hätte ich auch den IC über Bern nehmen können und wäre in zweieinhalb Stunden vor Ort gewesen. Ich wollte statt dessen geniessen und so startete das neue kleine Bahnabenteuer Gotthard-Überquerung erst nach einem ordentlichen Frühstück und nicht ganz in Herrgottsfrühe, denn das Wetter war eher bedeckt bis neblig.

Die Saltina – eine reissende Bestie

Saltina bei Brig

Die Saltina bei Brig (Wallis) – „die Tanzende“

Durch Brig fliesst die Saltina, übersetzt „die Tanzende“, die auch gerne aus dem Flussbett springt. Man ist ihr daher arg zu Leibe gerückt und hat sie vom Ortseingang bis zum Zusammenfluß mit der Rhone in einen Kanal gezwängt. Hier und da liegen mitgerissene Steine im Flussbett, die ich sicherlich mit beiden Armen umfassen könnte. Ein Gabelstapler wäre sicher das rechte Gerät das „Mitbringsel“ zu bergen. Aber so große Steine sind aufgrund es Gewichts aber im Zug natürlich nicht transportabel. In so einen reissenden Kanal einzusteigen ist Selbstmord, mag Veronica noch so jammern wenn ich keinen Stein mitbringe.

Die wild-romantische Saltinaschlucht

Die wild-romantische Saltinaschlucht

Am dritten Tag schliesslich hatte ich bei bestem Kaiserwetter Lust auf eine Entdeckungstour und ging immer weiter die Saltina hinauf. Am Ortsende querte die Strasse zum Simplon Pass in luftiger Höhe über die Napoleonsbrücke. Dahinter öffnete sich das Tal und der Fluss erinnerte mit seinen breiten Kiesbänken an die Isar vor München, wenngleich aber viel schmaler. Bequem ging über einen Seitenweg höher und höher den Fluss herauf. Schliesslich öffnete sich ein kleiner Bereich an dem durch große runde geschliffene Felsblöcke der weitere Weg versperrt ist. Auch unterhalb lagen einige Blöcke und bildeten so ein kleines Wasserbassin in dem man die Füsse in das kalte Wasser stecken konnte. Herrlich!

Wie war das nun mit dem „Auftrag“? Glitzernde, runde Steine. Jawoll, schnell hatte ich die Steine eingesammelt – auch Steine mit Streifen darin sammelten sich schnell im Rucksack. Ich trug schwer an den Steinen zurück bis Brig. Auch während der Rückreise stiegen aufgrund der gewichtigen Mitbringsel in mir schändliche Gedanken auf: Ich hätte die ganze Baggage auch im ersten Zug entsorgen mögen oder gleich ins SBB eigene Schotterbett werfen können, anstatt mich so abzuschleppen – mit zusammengeklaubten Steinen!

In Deutschland gibt es sicher ein Gesetz gegen die Entnahme von Steinen aus Bergbächen und sicher gibt es eine hohe Strafe gegen das Verschleppen von bundeseigenen Steinen in fremde Länder. „Wenn das jeder täte …“ Aber in der Schweiz hat man sicher genug Steine für uns …

Zuhause brachte ich meine «Sammlerstücke» nun bei der nächsten Gelegenheit zu Veronica: „Ach ja …“ sagte ich lächelnd und zog ein kleines Exemplar grinsend aus der Hosentasche und setzte den mit einigen Steinen beladenen Rucksack ab. „Das Du daran gedacht hast!“ sprach‘s und fiel mir zum Dank um den Hals und gab mir einen fetten Kuß.

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Ein Gedanke zu „Der Auftrag

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