Ein ganz heißer Ritt


Wir warteten ungeduldig in Köln auf den Zug. Endlich fuhr er mit 15 Minuten Verspätung an seinem Startbahnhof ein. Mit dann bald 20 minütlicher Verspätung traten wir die rund 50 Minuten dauernde Reise nach Aachen an. Bis zum Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts verband eine im gelben Interieur also im Stil der frühen 70er Jahre gehaltene Zugkomposition Oostende und Köln. Der Zug wurde im Freundeskreis liebevoll der „gelbe Flitzer“ genannt und war unser Lieblingszug auf der Strecke.

Kaum dem Kölner Schienengewirr entkommen, drehte der Lokführer „richtig auf“ und der Zug donnerte mit hoher Geschwindigkeit über die Ausbaustrecke bei Kerpen Richtung Düren. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit schauten wir uns verwundert an und ein Mitreisender im Abteil murrte: „Iss was fix, heute!“ Die anderen kommentierten mit einem zustimmenden „Hm“.

Gleich nach dem einzigen Zwischenstopp zwischen Köln und Aachen in Düren folgt Langerwehe. Dort führt die Bahnstrecke gleich hinter dem beschränkten Bahnübergang in eine Linkskurve, wodurch der Zug stark abbremsen muss und man die Chance hat, in den Ort zu schauen. Gerade abends konnte man das gelb-grüne Kneipenschild dort förmlich greifen. An diesem Abend kam es uns vor, als würde der Zug auf den Innenrädern durch die Kurve schliddern und das gelb-grüne Kneipenschild flog nur so vorbei. Unser Scherzbold konnte in der Kneipe noch nicht einmal eine Runde Kölsch bestellen, was er lautstark reklamierte. Mir war nicht nach Scherzen zumute, ich klammerte mich aufgrund der hohen Geschwindigkeit von Angst erfüllt am Sitz fest und sendete Stoßgebete zum Himmel.

Hinter Langerwehe schlängelt sich die kurvige Strecke durch die landschaftlich schönen Ausläufer der Voreifel. Die Deutsche Bahn konnte sich an dieser Stelle damals nicht durchringen, einen neuen, geraderen Trassenverlauf zu bauen. Zwar war nun unser Zug mit einem angemessenen Tempo, aber – im wahrsten Sinne des Wortes – immer noch „zügig“ unterwegs.

An der Stadtgrenze Aachen waren wir nahezu pünktlich und schauten daher ungläubig auf die Uhr. Unser Scherzbold kommentierte beim Aussteigen prustend; „Das war ja mal wieder ein ganz heißer Ritt!“.

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