Es fährt kein Zug nach Mazar-i Sharif


Nach einigen Reisen durch die innere Türkei und Syrien zog es mich weiter in den Osten. Der Plan Zentralasien zu bereisen bestand schon lange und so fasste ich mir 2010 endlich ein Herz und düste das erste Mal nach Samarkand.

Zug in Usbekistan

Ein langer Zug und eine weite Reise

Beim zweiten Mal im Herbst 2011 sollte unbedingt ein Abstecher nach Termez führen, der alten Stadt an der Grenze zu Afghanistan von der aus die deutschen Bundeswehrsoldaten an den Hindukusch nach Mazar-i Sharif starten. Die Stadt ist touristisch interessant, da dort zur Zeit der großen Seidenstraße ein Zentrum des Buddhismus in Zentralasien bestand. Ich freute mich auf Land, Leute und Kultur.

Geplant war die Abfahrt für Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 02:05 Uhr ab Samarkand, und so wurde auch das Ticket gekauft. Im Kopf gespeichert hatte ich aber Mittwoch Nacht, also gemeint die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag und so reiste ich dann fast 24 Stunden zu spät ab. Das Hindernis bestand aber nun darin, dass der Zug zwar in Samarkand stets zur selben Zeit ab, nur den einen Tag nach Termez und den darauf folgenden Tag nach Denov nahe der Grenze zu Tadschikistan abfährt.

Das Rollmaterial – ein älteres Zugmodell sowjetischer Bauart – ist nicht supermodern aber in passablem Zustand – jedenfalls in besserem Zustand als der Balkanzug von Bulgarien nach Serbien. Dass ich nun mit dem falschen Zug in die falsche Richtung unterwegs war, wurde mir aber erst nach heftiger Diskussion mit dem Schaffner, in türkischer Sprache mit ein paar eingestreuten Usbekischen Brocken, klar. Er versuchte redlich aber anfangs vergebens, mir klar zu machen, dass dieser Zug nicht nach Termez fährt.

Reisebild Marktszene

Markt von Denov

So reiste ich nun ohne gültiges Ticket, denn meins war ja für den Vorabend nach Termez ausgestellt. Der Schaffner – ganz Orientale – machte für sich das Beste aus meiner Notlage und kassiert ein «privates Fahrgeld», auch als Bakschisch bekannt, was ihm aber am nächsten Tag selber nicht mehr geheuer war und er mir wohl zigmal einschärfte, bloß niemandem von dem Bakschisch zu erzählen … Und so reiste ich also nach Denov – was sich als Glücksfall erwies. Und eigentlich wollte ich sowieso nach Tadschikistan im Laufe dieser Reise.

Farbenfrohe PigmenteZuhause erzählte ich bei einem Glas Wein meinen Freunden von der Reise und von den Märkten auf denen ich war sowie diese Geschichte und setzte am Ende nach: „Ich reise nie mehr so ganz alleine durch die Nacht in Zentralasien“, denn gar nicht mehr nach Zentralasien zu reisen wäre mir ohnehin nicht in den Sinn gekommen. Als Antwort bekam ich „Na, wie lange das wohl diesmal hält!“.

Weitere Geschichten aus den Reisen durch das „Reich von 1001 Nacht“ finden sich im Blog von Daniela Lieberwirth: Entlang der Seidenstrasse.

Erlebt von Daniela Lieberwirth, Okt. ’11
Geschrieben von Klaus Theißing, Juli ‘13

Bilder (4): © Daniela Lieberwirth, Banner: [M: Klaus Theißing]

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2 Gedanken zu „Es fährt kein Zug nach Mazar-i Sharif

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