Champagner für alle!


In einem Rudel von Zahnärzten unterwegs zum 25. Jahrestag der Abschlussfeier

Der IC war pünktlich und trotz ohne Reservierung fahrend, fand ich einen Platz bei zwei Herren mittleren Alters im Abteil. Ich war auf dem Weg ins Wochenende und wie schön kann doch reisen sein. Gleich hinter Münster, ich hatte gerade den Sitz warmgesessen, flog die Tür auf und ein weiterer Passagier betrat lachend und grüssend unter grossem Hallo der anderen das Abteil. Schon erzählten die drei von Beruf, Familie und ihrem Hobby. Ich vertiefte mich wieder in die Wochenend-Lektüre.

Gleich hinter Davensberg zog „der Neue“ eine Flasche Sekt aus der Reisetasche. Nach etwas Suchen beförderte er auch vier Sektkelche aus der Tasche. Sein Gegenüber kommentierte das mit „Hast ‚te Connie die Gläser aus dem Schrank geklaut?!“, was dieser mit einem Grinsen quittierte. Der Korken flog und schon bekam ich das erste Glas Sekt angeboten. Die drei seien Zahnärzte und auf dem Weg zum 25. „Klassentreffen“ nach Köln. Seinerzeit hätte man in Gent zusammen studiert um so den deutschen Nummerus Clausus zu umgehen. Anscheinend hatten Sie eine wunderbare und vor allem wohl lustige Studienzeit erlebt.

Der Zug rollte aus dem Essener HBf und wir hatten den Champagner in seiner köstlichen Kühle und so manche Anekdote aus der Studienzeit genossen. Aufgrund der leeren Gläser zog nun „der Hamburger“ aus, den Speisewagen wegen Nachschubs zu konsultieren. Nach einer Weile kam er achselzuckend mit drei kleinen Flaschen Weisswein zurück: „Leergetrunken!“. Der Speisewagen war freitags gegen 16:00 Uhr leergetrunken und so ging es weiter mit Weisswein und immer interessanteren Themen, denn im Jahrgang gab es anscheinend auch Kommilitoninnen. So wurde über diverse „Abendveranstaltungen“ berichtet und wer wann mit wem wie «gepunktet» hat.

Auch ich wurde selbstverständlich gefragt woher, wohin und ob und wo studiert und wie es dort so war. Zum Leidwesen der drei konnte ich keine wesentlich erhellenden Geschichten zu unserer Reise beitragen.

Kölner Dom

In der Anfahrt auf Köln Hbf

Gleich hinter Duisburg war schon wieder „empty“! Ich zog aus, in den spärlichen Resten des Speisewagens ein wenig Flaschenbier käuflich zu erwerben. Unser Waggon hatte mittlerweile schon leichten Seegang. Zurück mit dem Flaschengebastel hörte ich die letzten Geschichten, bevor die drei das Abteil am Kölner Dom verliessen. Sie hätten zwar eine Abendveranstaltung, müssten jetzt aber erst einmal – in alter studentischer Tradition – das „Gasthaus Früh“ konsultieren, schliesslich könnte man «so» ja nicht ins Hotel gehen.

Hinter Bonn hatte der Wind offensichtlich aufgefrischt und der Waggon und ich mit ihm schaukelte bei mittlerem Seegang Richtung Frankfurt HBf.

Nun war es Zeit, die Erlebnisse per Handy nach Hause zu rapportieren und die Beichte abzulegen, dass ich – ganz unschuldig – in eine Studentengruppe geraten wäre und «eine kleine Sause» gemacht hätte. Gnädigerweise wurde mir vergeben.

Gerne erinnere ich diese einmalige Reise und die fröhliche Ausgelassenheit der drei Ex-Studis und frage mich manchmal, ob sie wieder «an Bord» sind und „Champagner für Alle!“ dabei haben.

Dank

Bild „In der Anfahrt auf Köln Hbf“: © Jürgen Ehlers;
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung.

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Ein Gedanke zu „Champagner für alle!

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